"Roll-Kur Abc..."

Viele populäre Internetseiten schreiben, Rollkur sei eine Trainingsmethode – aber ist es nicht eher eine Art der Tierquälerei?

Aber alles von vorne:

 

„Was ist die Rollkur überhaupt?"

 

Der Begriff „Rollkur" (auch „Hyperflexion") stammt ursprünglich aus einem Artikel der Pferdefachzeitschrift St. Georg (11/1992), in dem der Autor Heinz Meyer die harschen Umgangsweisen der Reiter mit ihren Pferden auf Abreiteplätzen und Co. beanstandete. Leider blieb dieser Artikel weitestgehend ohne große Beachtung, doch der Begriff „Roll-Kur" war entstanden.

Wie im Wikipedia-Artikel schon angedeutet, „zerrt" der Reiter sein Pferd durch starke Einwirkung der Zügel hinter die Senkrechte, so dass es sich im schlimmsten Falle selbst in die Brust beißen könnte. Internationale und erfolgreiche Profireiter praktizieren die Hyperflexion (zu deutsch: Überdehnung) schon seit Jahren – und gewinnen immer noch einen Preis nach dem anderen.

 

Nun stellt sich die Frage:

 

„Was passiert da überhaupt?"

 

Durch das extreme Einrollen des Halses werden die Halswirbel des Pferdes stark überdehnt, was zu einer Überspannung der Rückenmuskulatur führt. Zudem bekommt der Reiter einen gewaltigen Hebel in die Hand gedrückt, denn durch die Zügel, die ja zum Gebiss im Maul führen, wird der gesamte Druck zum Rücken hin fehlgeleitet.



Dehnungshaltung

Eine unumgängliche Position für das junge Pferd um sein neues Gleichgewicht zu finden. Bei weiter ausgebildeten Pferden in der Lösungs- und Entspannungsphase von größter Bedeutung.

 

Rückengänger (Relative Aufrichtung)

In der relativen Aufrichtung ist das Nackenband von untergeordneter Bedeutung.

Die hier nicht dargestellte Muskulatur im Oberhalsbereich muss Tragearbeit übernehmen.



 

Schenkelgänger

Diese Kopf-Hals-Position muss leider heute sehr häufig insbesondere bei Dressurpferden beobachten werden. Sie schaltet sowohl die Wirkung des Nackenband als auch die Oberhalsmuskulatur aus. Die Tragearbeit muss deshalb von der Rückenmuskulatur übernommen werden, was zum Verlust der Verbindung zur Hinterhand mit allen entsprechenden Folgeschäden führt.



 

Spannrückengänger

Diese Kopf-Hals-Position wird auch als Hyperflexion oder Rollkur bezeichnet. Sie überspannt das Oberhalssystem extrem und hebt über den Widerristhebel den Rücken extrem an. Das Pferd verliert an Dynamik. Auch bei dieser Positionierung der Kopf-Hals-Achse verliert das Pferd die Hinterhand und sein Schwerpunkt verlagert sich auf die Vorhand. Bei Schenkelgänger und Spannrückengänger verstärkt sich der mechanische Verschleiß im Bereich des Binde- und Stützgewebes erheblich.



Um euch einmal die verschiedensten Hals und Rückenhaltungen eines Pferdes während der Arbeitsphase zu zeigen, habe ich hier einmal eine tolle Bilderreihe von Gerd Heuschmann mit eingebunden!

 

Herr Heuschmann befasst sich mit der Biomechanik des Pferdes! Ein sehr zu empfehlendes Buch wie ich selber finde!

Klickt einfach auf eines der Bilder und ihr bekommt den Text und das Bild in Groß zu sehen bzw. lesen.

Und wem das noch nicht reicht, der kann sich hier einmal den Film von Herrn Heuschmann zu seiner DVD anschauen oder einen kurzen Ausschnitt der Internetseite RossundReiter.tv.