Allgemeine Grundlagen

Das Gleichgewicht:

Die vom Reitpferd geforderte Grundleistung lässt sich wie folgt definieren: Das Pferd soll sich mit dem Reiter auf dem Rücken im Gleichgewicht in allen Gangarten vorwärts bzw. seitwärts bewegen.

 

Die Versammlung:

Ein Hauptproblem, das sich aus statischen Besonderheiten des Pferdekörpers ergibt, ist die vermehrte Belastung der Vorderextremitäten, die aus der Lage des Schwerpunktes vor dem Schnittpunkt der Diagonalen der Unterstützungsfläche ergibt. Beim korrekt gebauten Pferd lasten ca. 55% des Gesamtgewichtes auf der Vorhand. Die Versammlung resultiert in einer Verlagerung des Schwerpunktes nach hinten. Eine effektive Versammlung in einer echten Entlastung der vorderen Extremitäten setzt eine ausreichende Beweglichkeit aller beteiligten Partien voraus.

 

Hebelsysteme:

Im wesentlichen sind es 2 große Hebelsysteme: Die Vor- und die Hinterhand.

 

Die Hinterhand:

Der Drehpunkt dieses Hebels ist durch das Hüftgelenk natürlich gegeben, der Kraftarm ist das Sitzbein, der Lastarm ergibt sich aus dem Darmbein (Kreuzbein-Darmbein-Gelenk mit Wirbelsäule). Durch die Wirkung dieser Hebelsysteme kommt es zum Vorwärtsschub durch Streckung des Hüftgelenks, anderseits durch Beugung des Hüftgelenks durch Untertreten der Hinderhand unter den Schwerpunkt und zur gleichzeitigen Aufrichtung des Vorderkörpers.

 

Die Vorhand:

Der Drehpunkt dieses Hebels ist die Bindegewebige Verbindung zwischen Schulterblatt und Rumpf, Kraftarm ist der Hals, Lastarm ist wiederum die Wirbelsäule. Durch Senken des Halses kommt es zum Aufwölben des Rückens, was zur Tragfähigkeit des Rückens beiträgt. Durch "Heben" des Hales wird die für die Aufrichtung und Versammlung des Pferdes notwendige Beugung des Hüftgelenkes begünstigt.

 

Das Fundament

 

Größe der Gelenke:

Faustregel: Je größer die Gelenksfläche in Relation zu den Gelenken, desto geringer ist die Belastung pro Flächeneinheit der Gelenksfläche und desto geringer ist die Verschleißanfälligkeit des Gelenkes. Jede Abweichung von Extremitätenstellungen führt zu punktuellen Mehrbelastungen und können im Extremfall Lahmheiten begünstigen.

 

Format & Größe

 

Man unterscheidet grundsätzlich 2 Pferdetypen (im Verhältnis Körperlränge/Widerristhöhe), das Quadratpferd und das Rechteckpferd (in seltenen Fällen ebenfalls das Hoch-Rechteck-Pferd). Bei sehr langen Pferden ist das Untertreten der Hinterhand unter den Schwerpunkt und somit die Versammlung erschwert.

 

Kopf & Hals

 

Kopf und Hals spielen für die Verlagerung des Schwerpunktes eine große Rolle. Die Form des Kopfes ist funktioniell ohne besondere Bedeutung (oftmals Rassemerkmal). Die Größe des Kopfes hingegen ist für die Lage des Schwerpunktes ausschlaggebend.

 

Ganaschenfreiheit

 

Raum zwischen den Ganaschen (hinter Rand des Unterkiefers) und der unteren Halsmuskulatur. Nur bei genügender Ganaschenfreiheit ist eine ausreichende Beugung des Genicks im Sinne der optimalen Versammlung möglich.

Länge das Halses

 

Generell:

Langer Hals - großer Raumgriff, kurzer Hals - geringerer Raumgriff

 

Der Halsaufsatz

 

Im Normalfall ist der Winkel zwischen der Längsachse des Hales und der Achse des Schulterblattes 90 Grad. Ein tiefer Halsansatz ist durch einen kleineren, ein hoher Halsaufsatz durch einen größeren Winkel gekennzeichnet. Pferde mit einem tiefen Halsaufsatz können sich zwar weit nach vor strecken und erzielen großen Raumgriff (Spring-/Rennpferde) haben aber Probleme mit der Verlagerung des Schwerpunktes nach hinten durch mangelnde Aufrichtung für die Versammlung. Im Gegenteil haben Pferde mit einem hohen Halsaufsatz mehr mühe sich nach vorne zu dehnen und somit einen geringeren Raumgriff (Dressurpferde).

 

Widerrist

 

Der Widerrist wird gebildet durch die Dornfortsätze der ersten Brustwirbel. Je länger die Dornforsätze um so hoher der Widerrist und um so mehr Platz für die bemuskelung ist gegeben. Die Länge des Widerrists beeinflusst die Lage des Sattels. Je länger der Widerrist ist, desto weiter hinten kommt der Sattel zu liegen, was zu einer geringeren Belastung der Vorhand führt.

 

Vorderextremitäten

 

Winkelungen der Gelenke

Schultergelenk: ca. 95 Grad
Ellbogengelenk: ca. 140 Grad
Fesselgelenk: ca. 135 Grad

Abweichungen der Gelenkswinkel in Richtung einer Vergrößerung wirken sich ungünstig auf die Stossdämpfung aus (größerer Verschleiß), begünstigen allerdings die Stabilität der Vorhand.

Eine steile Schulter wirkt zusätzlich einschränkend in Hinsicht auf dem Raumgriff.

 

Der Rücken

 

Ein kurzer Rücken ist stabil, aber zu wenig beweglich. Ein langer Rücken ist beweglich aber nicht sonderlich belastbar. Pferde mit langem Rücken sind sehr viel schwieriger in Versammlung bzw. "über den Rücken" zu reiten, weshalb sich hier gerne Senkrücken bilden.

 

Die Hinterhand

 

Die Hinterhand ist für Schub in der Bewegung verantwortlich.

Winkelung Längsachse Becken - Oberschenkel: ca. 100 Grad
Kniegelenk: ca. 140 Grad
Sprunggelenk: ca. 150 Grad
Fesselgelenk: ca. 125-130 Grad

Beim flachen Becken verkleinert sich dieser Winkel und somit die Exkursionsweite der hinteren Extremität (größerer Raumgriff). Durch die Verlängerung des Hebelweges der Muskeln am Sitzbein verringert sich hingegen die Schubkraft. Gegenteilig verhält es sich bei einem vergrößerten steilerem Becken".

 

Pferden mit flacher Kruppe fällt es schwerer mit der Hinterhand weit nach vorne unter den Schwerpunkt zu treten, damit wird die Versammlung und die Entlastung der Vorhand erschwert. Pferde mit steil abfallender Kruppe haben oft ein überbautes Becken, dadurch kommt es zu einer Verlagerung des Schwerpunktes nach vorn.

 

Steil gefesselte Pferde können mitunter etwas "harte" und "unbequeme Gänge entwickeln, da die Federung ungenügend ist.

Exterieur Vorraussetzung für Sportpferde (vereinfacht, schlussendlich bringt das perfekte Exterieur nichts, wenn der Charakter nicht stimmt!)

 

Dressurpferd:

Rechteckformat (nicht zu lang!), ausreichende Rumpfbreite, normaler bis hoch aufgesetzter Hals, ausgeprägter eher länglicher Widerrist, schräg gewinkelte Schulter, mittellanger, gerader Rücken, normal bis leicht abfallende Kruppe, korrekt gewinkelte Extremitäten mit tendenziell großen Gelenken.

 

Springpferd:

Rechteckformat mit ausreichender Länge und Breite, normal bis tief aufgesetzter Hals, ausgeprägter eher langer Widerrist, lange schräge Schulter, ausreichend langer gerader Rücken, normale bis leicht abfallende Kruppe, besonders an der Vorhand große, kräftige Gelenke.

 

Rennpferd:

Langrechteckformat, eher tief aufgesetzter Hals, flache Kruppe.