Heißes Eisen Brandzeichen

In Hannover gibt es einen speziellen Brandbeauftragten für den Schenkelbrand. (Archivbild) © dpa-Bildfunk Fotograf: Friso Gentsch

Es tut den Fohlen weh. Davon ist Dr. Willa Bohnet überzeugt. Und zwar egal, ob die Tiere per Brandzeichen oder per Chip gekennzeichnet werden. Bohnet ist Diplombiologin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo). Dazu, so sagt sie weiter, sorge die für Fohlen ungewohnte Situation, in der sie fixiert und angefasst werden, für Stress bei den Tieren. Das eigentliche Problem sei aber, auf welche Weise man die Pferde später besser identifizieren könne, findet die Expertin. Da habe der Chip klare Vorteile. Denn neben dem Wappen werden beim Brandzeichen auch Zahlen zur Identifikation des Pferdes eingebrannt. Und die sind später laut einer Studie der FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung) deutlich schlechter zu erkennen als das Wappen. "Nur noch 38 Prozent der Zahlen sind lesbar", sagt Bohnet. Deshalb spricht sie sich für den Chip aus. "Das ist der neueste Stand", so die Diplombiologin.

 

Brandmarkung mit glühendem Eisen

Noch nicht mal eine Sekunde dauere das Brennen, versichert Erdwig Holste. Ohne das Erhitzen des Brandeisens per Gasbrenner natürlich. Holste ist beim Hannoveraner Verband in Verden zuständig für die umstrittenen Brandzeichen. Dabei werden Fohlen im Alter von vier Monaten bis zu einem Jahr mithilfe eines glühenden Eisens gebrandmarkt - sprich: Sie bekommen das Wappen ihres Zuchtgebietes in die Haut gebrannt. Eine umstrittene Methode. Alternativ wird auch bei Pferden gechippt. Dabei wird den Fohlen mit einer Kanüle ein Chip an der linken Halsseite implantiert.

 

Brandzeichen für 15.000 Fohlen

Holste hat nach eigenen Angaben etwa 15.000 Fohlen mit einem Brandzeichen versehen. Er ist der Meinung, dass Schlimmste am ganzen Prozedere sei für die Pferde das Fixieren. Und das müsse immer gemacht werden - egal ob gebrannt oder gechippt wird. Tierquälerei kann Holste beim Schenkelbrand nicht erkennen, sagt er. "Pferdehaut ist immerhin acht Mal stärker als Menschenhaut. Die Bisse, die sich die Tiere auf der Weide zufügen, sind weitaus schlimmer als ein Brandzeichen."

 

Verbrennungen dritten Grades

Tierschützern ist der Schenkelbrand dagegen ein Graus. "Das ist Tierquälerei", sagt Marius Tünte, Sprecher des Tierschutzverbandes, gegenüber NDR.de. Die Fohlen würden noch Tage später unter den Verbrennungen dritten Grades leiden. Er bezieht sich auf eine Studie, das bei den Fohlen noch tagelang erhöhte Temperaturen gemessen worden seien - und dass sei ein deutliches Anzeichen für Schmerzen bei Pferden, die keine Schmerzensschreie ausstoßen. "Und vor allem ist es überhaupt gar nicht mehr nötig", findet Tünte - schließlich soll laut EU sowieso nur noch gechippt werden.

 

McAllister will kein Verbot

Die Debatte um die Brandzeichen ist wieder entflammt, seit Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ein neues Tierschutzgesetz auf den Weg gebracht hat. Das Gesetz verbietet Brandzeichen, es soll im Herbst in Kraft treten. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat sich nach einem Bericht des "Spiegel" gegen das Verbot ausgesprochen. "Unsere Pferde sind auf der ganzen Welt berühmt und begehrt", so der Ministerpräsident. Die Pferdezucht sei für Niedersachsen ein wichtiger Wirtschaftszweig. Deshalb müsse die Herkunft der Tiere einwandfrei nachweisbar sein.

 

Starke Blutungen nach dem Chippen?

Die Argumente der Pferdezüchter klingen ähnlich. "Wir erkennen die Pferde sonst nicht wieder", sagt Manfred Schaefer, Vorsitzender des Hannoveraner Verbandes gegenüber NDR.de. Dazu sei das Chippen auch nicht gerade ein Zuckerschlecken für die Tiere. "Wir haben regelmäßig Pferde mit Beschwerden, etwa starken Blutungen", so Schaefer weiter. "Kein Wunder", sagt Diplombiologin Bohnet, "so etwas kann passieren, wenn man eine Kanüle Haut einführt und ein Blutgefäß trifft." Sie hält die Chip-Methode trotzdem für die besssere. "Auch bei Tausenden Hunden und Katzen ist diese Methode schließlich schon erfolgreich im Einsatz", sagt sie.