Der heiße Tipp

Goodbye, Cowboy: Das Brandzeichen-Verbot

Pferdebesitzer dürfen ihren Tieren künftig keine Brandzeichen mehr verpassen, um sie als ihren Besitz zu kennzeichnen. Das sieht das neue Tierschutzgesetz vor, das vom Bundeskabinett gebillt wurde. Welche Konsequenzen das für den ohnehin gefährdeten Berufsstand der Cowboys hat, wurde dabei aber offenbar völlig außer Acht gelassen.

 

Eine Glosse von Horst Kläuser, WDR


Der Brennbeauftragte vom Hannoveraner Verband, Michael Müller, drückt in Osnabrück ein Brandeisen auf den rasierten Schenkel eines Fohlens. © dpa-Bildfunk Fotograf: Friso Gentsch

Es war wieder einer dieser Tage. Der letzte Ritt vom Wasserloch nach Laramy im stickigen Staub der Prärie hatte mich mindestens 50 Longhorn-Rinder gekostet, einige waren durch Stacheldraht gelaufen und nun wanderte mein Blick im flimmernden Licht der untergehenden Sonne über meine schnaufende Herde. Eine

Zigarette hatte ich mir gerollt, der Pott mit Kaffee köchelte über dem Lagerfeuer und Joe richtete den üblichen Teller Baked Beans an. Ein ganz normaler Tag. Gleich würden wir nur noch die die neuen Kälber mit gusseisernen Brandzeichen der Mountain Glory Ranch markieren.


Das war einmal. Cowboy-Romantik mit dem Brandzeichen sind bald passé. Das neuen Tierschutzgesetz will das nicht. Tierquälerei sei das Markieren von Pferden und Rindern mit dem glühenden Metall. Wer das mal erlebt hat, riecht schon beim Hören dieser Sätze das verbrannte Fell und die kokelnde Haut, hört das leichte Zischen, sieht die trappelnden Hufe des verängstigten Tieres. Gut. Soweit.

Doch wer denkt an die Wildwest-Romantik, an die zahllosen Filme, die nun alle umgeschnitten oder in denen Szenen nachgedreht werden müssen. Man stelle sich John Wayne etwa vor, wie er sich elegant vom Pferd schwingt und bei den Rindern nach Ausweispapieren sucht. Im Monument Valley ist die Brieftasche verloren gegangen ...

 

Alt, sehr alt, sind die Brandzeichen. Schon die Ägypter markierten so ihre Nutztiere und bis heute sind Brandzeichen so sehr zumindest in den englischen Sprachgebrauch eingesickert, dass man wie selbstverständlich von "brands" spricht, wenn man Marken wie Coca Cola oder Microsoft meint. Marketingleute verraten einem schnell, dass "Branding" so mit das Wichtigste ist, was man machen muss, um einem guten Produkt Erfolg zu verleihen. Das Brandzeichen also als Besitzzeichen, als Identität. Nun vermag man sich als Büromensch wenig in den Gesäßschmerz eines stolzen Hengstes oder eines Bullen hineinzuversetzen, dem der Besitzer sein Zeichen in den A … brennt. Muss ja auch nicht sein, sagt Frau Aigner, die mit CSU gebrandet ist.

 

Demnächst also mit Chip. Dieser elektronische Marker wird unter die Haut gepflanzt und kann berührungslos ausgelesen werden. Klasse. Ich setze mich also wieder bei Baked Beans und Kaffee ans Lagerfeuer und schaue Joe beim "branden" zu: sterile Handschuhe hat er an und eine dicke Spritze in der Hand - gerade bekommt das Longhorn-Rind einen Chip mit der Mountain Glory Ranch implantiert, Code-Nummer Rt67-Q3,Z2012. Durchaus romantisch.